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Der Traum vom eigenen Laden – Teil 2

Der Traum vom eigenen Laden geht euch nicht mehr aus dem Kopf. Ihr habt unzählige Ideen und wollt es unbedingt. Doch was genau wollt ihr? Euer Traum sieht vor, Textilien zu verkaufen, Klamotten spielen für euch schon immer eine wichtige Rolle. Ihr habt Style, ihr kennt die coolsten Labels. Und Schuhe soll es geben, oh ja, ihr liebt Schuhe! Vielleicht plant ihr noch eine Vintage Ecke ein, Vintage liegt im Trend oder geht sowieso immer. Eure Augen beginnen zu leuchten, eure Motivation kennt keine Grenzen.

Und dann kommen sie irgendwann, all die fiesen kleinen Fragen. Biete ich eigentlich nur Artikel für Frauen an, oder auch für Männer? Kaufe ich das komplette Programm ein, also auch teure Jacken? Sollte ich vielleicht auch Jeans einkaufen? Sind meine Lieblingslabels auch die meiner Kunden? Ist es ratsam auch Styles zu ordern, die ich selbst nicht tragen würde? Und wie präsentiere ich das alles, eher legen oder hängen, eher nach Farben sortiert oder nach Kombinationsmöglichkeiten? Brauche ich auch Accessoires? Wer soll eigentlich bei mir einkaufen? Hat meine Lieblingszielgruppe genug Kaufkraft, um sich meine Highlights leisten zu können? In welchem Preissegment will ich mich ansiedeln? Bin ich ein Verkäufertyp? Brauche ich Mitarbeiter? Ist all das wirklich mein Ding, meine Leidenschaft? Fragen über Fragen und die Beantwortung fällt noch schwerer, als ihr nun denkt! Denn am Ende müssen alle Antworten ein Ganzes ergeben, eine runde Sache.

Worauf will ich hinaus? Auf den Punkt, mit dem eure Träume beginnen sollten, Wirklichkeit zu werden. Am Anfang steht das Konzept. Wer einfach nur Klamotten und Schuhe verkaufen will, kann den tollsten Style der Welt haben, ohne ein klares Konzept wird es schwierig, sich am Markt zu behaupten. Warum? Weil die Konkurrenz sehr groß ist und gut. Gab es Anfang der 90er zehn Läden mit ausgefallener Mode in Berlin, sind es heute zweihundert. Gab es vor zehn Jahren noch eine Hand voll Online-Shops, die um eine Zielgruppe buhlten, sind es heute international hunderte. Überlegt ihr nicht ganz genau, wen ihr mit welchen Produkten auf welche Weise von eurem Angebot überzeugen wollt, gehört euer Laden früher oder später mitunter auch zu denen, die nach einer kurzen Zeit das Wort AUSVERKAUF an die Schaufenster schreiben. Ich weiß, das klingt hart, aber das ist die Realität und ich habe es selbst einige Male mit angesehen, wie auch sehr hübsche und vom Sortiment her attraktive Läden nach einem halben oder einem Jahr schließen mussten. Nur die grundlegende Idee von einem Klamotten-Laden mit Vintage-Ecke oder das Angebot von bspw. handbedruckten T-Shirts allein machen noch kein rundes Konzept. Warum sollte ein Kunde zu euch kommen, was ist euer Alleinstellungsmerkmal, was ist der Nutzen für den Kunden? Warum kauft er bei euch und nicht bei der Konkurrenz?

Was beinhaltet ein gutes Konzept? Grundsätzlich rate ich dazu, sich zuerst die berühmten sechs Fragen mit W zu stellen, die eher aus der PR kommen, mir aber bei allen Konzepten geholfen haben, mich auf die wesentlichen Punkte zu konzentrieren: Wer macht was wann wie für wen und wo? Je klarer die Antworten darauf ausfallen, umso besser! Denkt sie nicht nur, schreibt sie auf! Erst wenn ihr schriftlich formuliert, bemerkt ihr, wie sicher oder unsicher ihr euch seid.

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