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Founding

Founding Interviews

Gründen ist wie heiraten

Markus Raab und Patrick Tresp (v.l.n.r.), Gründer Bayer und Preuss GmbH

Foto oben: Markus Raab und Patrick Tresp (v.l.n.r.), Gründer Bayer und Preuss GmbH

Social Media kann nicht alles! Manchmal kennt man Leute schon zwanzig Jahre lang und denkt, dass man weiß, was beim anderen so läuft. Schließlich ist man mindestens über Facebook irgendwie in Kontakt. Doch wie ich in der Vorbereitung auf meinen Interviewpartner und Freund Patrick Tresp feststellen musste, ist diese Annahme mitunter weit gefehlt. Mein Ansinnen war es, Patrick als Unternehmer zu interviewen, da ich wusste, dass er vor Jahren die Bayer und Preuss GmbH mitgegründet hat und erfolgreich E-Learning Software entwickelt und vetreibt. Wie ich seinem XING-Profil entnehmen konnte, war dies längst nicht alles. Umso neugieriger fand ich mich dann in seinem Büro ein, wo er mir ein paar Fragen zu seinem Werdegang und seiner Sicht auf das Unternehmertum beantwortete. Welche seiner Gründungen ich als absolut und ohne Frage vielversprechend befinde und warum gründen wie heiraten ist, erfahrt ihr im nachfolgenden Text.

Interview mit Patrick Tresp / 22.11.2016/ Büro Bayer und Preuss GmbH, Berlin

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Fashion Founding

Der Traum vom eigenen Laden – Teil 2

Laden Workaholic Store Kastanienallee

Der Traum vom eigenen Laden geht euch nicht mehr aus dem Kopf. Ihr habt unzählige Ideen und wollt es unbedingt. Doch was genau wollt ihr? Euer Traum sieht vor, Textilien zu verkaufen, Klamotten spielen für euch schon immer eine wichtige Rolle. Ihr habt Style, ihr kennt die coolsten Labels. Und Schuhe soll es geben, oh ja, ihr liebt Schuhe! Vielleicht plant ihr noch eine Vintage Ecke ein, Vintage liegt im Trend oder geht sowieso immer. Eure Augen beginnen zu leuchten, eure Motivation kennt keine Grenzen.

Und dann kommen sie irgendwann, all die fiesen kleinen Fragen. Biete ich eigentlich nur Artikel für Frauen an, oder auch für Männer? Kaufe ich das komplette Programm ein, also auch teure Jacken? Sollte ich vielleicht auch Jeans einkaufen? Sind meine Lieblingslabels auch die meiner Kunden? Ist es ratsam auch Styles zu ordern, die ich selbst nicht tragen würde? Und wie präsentiere ich das alles, eher legen oder hängen, eher nach Farben sortiert oder nach Kombinationsmöglichkeiten? Brauche ich auch Accessoires? Wer soll eigentlich bei mir einkaufen? Hat meine Lieblingszielgruppe genug Kaufkraft, um sich meine Highlights leisten zu können? In welchem Preissegment will ich mich ansiedeln? Bin ich ein Verkäufertyp? Brauche ich Mitarbeiter? Ist all das wirklich mein Ding, meine Leidenschaft? Fragen über Fragen und die Beantwortung fällt noch schwerer, als ihr nun denkt! Denn am Ende müssen alle Antworten ein Ganzes ergeben, eine runde Sache.

Worauf will ich hinaus? Auf den Punkt, mit dem eure Träume beginnen sollten, Wirklichkeit zu werden. Am Anfang steht das Konzept. Wer einfach nur Klamotten und Schuhe verkaufen will, kann den tollsten Style der Welt haben, ohne ein klares Konzept wird es schwierig, sich am Markt zu behaupten. Warum? Weil die Konkurrenz sehr groß ist und gut. Gab es Anfang der 90er zehn Läden mit ausgefallener Mode in Berlin, sind es heute zweihundert. Gab es vor zehn Jahren noch eine Hand voll Online-Shops, die um eine Zielgruppe buhlten, sind es heute international hunderte. Überlegt ihr nicht ganz genau, wen ihr mit welchen Produkten auf welche Weise von eurem Angebot überzeugen wollt, gehört euer Laden früher oder später mitunter auch zu denen, die nach einer kurzen Zeit das Wort AUSVERKAUF an die Schaufenster schreiben. Ich weiß, das klingt hart, aber das ist die Realität und ich habe es selbst einige Male mit angesehen, wie auch sehr hübsche und vom Sortiment her attraktive Läden nach einem halben oder einem Jahr schließen mussten. Nur die grundlegende Idee von einem Klamotten-Laden mit Vintage-Ecke oder das Angebot von bspw. handbedruckten T-Shirts allein machen noch kein rundes Konzept. Warum sollte ein Kunde zu euch kommen, was ist euer Alleinstellungsmerkmal, was ist der Nutzen für den Kunden? Warum kauft er bei euch und nicht bei der Konkurrenz?

Was beinhaltet ein gutes Konzept? Grundsätzlich rate ich dazu, sich zuerst die berühmten sechs Fragen mit W zu stellen, die eher aus der PR kommen, mir aber bei allen Konzepten geholfen haben, mich auf die wesentlichen Punkte zu konzentrieren: Wer macht was wann wie für wen und wo? Je klarer die Antworten darauf ausfallen, umso besser! Denkt sie nicht nur, schreibt sie auf! Erst wenn ihr schriftlich formuliert, bemerkt ihr, wie sicher oder unsicher ihr euch seid.

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Founding Interviews

Freiheit ist das zentrale Motiv

Interview mit Mandy Jegorow

Ein Hoch auf die starken Frauen! Mein heutiges Interview hat mir wieder vor Augen geführt, wie sehr ich es mag, mich mit selbstbewussten Ladies auszutauschen. Frauen, die ihren Weg gehen, weder neidisch, noch arrogant sind, die vor Energie strotzen und genau wissen, was sie wollen.

Eine solche Vertreterin des weiblichen Geschlechts habe ich im Suicide Sue, einem charmanten Café in der Dunckerstraße in Berlin Prenzlauer Berg, getroffen. Wir wollten eigentlich nur einen Kaffe zusammen trinken. Da ich Mandy jedoch als selbstständige Frau kennengelernt habe, die eine Menge zu erzählen weiß, wurde sie spontan für mein erstes Blog-Interview akquiriert. Eine Sache will ich vorab noch erwähnen. Im Grunde haben Mandy und ich uns als Wettbewerberinnen kennengelernt. Unseren Workaholic Store auf der Kopernikusstraße eröffneten wir 2013 direkt neben dem Laden von Mandy und Ben, LATTE WIE HOSE. Vom Sortiment her waren wir uns nicht ganz unähnlich und man hätte durchaus einen Konkurrenzkampf erwarten können. So richtig gefunden haben wir uns auch erst, nachdem klar war, dass auch wir Workaholics unser Geschäft aufgeben werden. Von Konkurrenzdenken oder bösem Blut, keine Spur!

Interview mit Mandy Jegorow/ 15.11.2016/ Café Suicide Sue, Berlin

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Fashion Founding

Der Traum vom eigenen Laden

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Wie oft habe ich diesen Satz gehört: „Ich hätte auch so gerne einen eigenen Laden.“ Der Traum vom eigenen Geschäft zieht sich durch alle Generationen und wird nicht nur hierzulande häufig geträumt. Da herrscht so eine romantische Vorstellung im Kopf. Morgens schön einen Kaffee unterwegs holen, entspannt aufsperren, sich am eigenen Sortiment erfreuen, nette Kunden bedienen, sein eigener Chef sein, einkaufen was das Herz begehrt, jeden Tag Bares auf Tasche und v.a. wenig Stress haben.

Nun, aus meiner Erfahrung weiß ich, dass es so einfach und rosarot nicht ist, ein Shop-Inhaber zu sein. Mit meinem Partner habe ich innerhalb von sechs Jahren fünf Workaholic Stores aufgebaut und betrieben. Wir standen als Inhaber sehr oft selbst im Verkauf und hatten glorreiche wie schwierige Zeiten. Wir waren überzeugt von unserem Konzept, Mode und Musik auf einmalige Weise miteinander zu verbinden, fungierten als Plattform für diverse kleine Modelabels aus Berlin und entwickelten uns mit der Zeit zu einem der erfolgreichsten Hersteller und Verkäufer von Label/Artist-Merchandise Artikeln im Bereich elektronischer Musik.

Der Einzelhandelsmarkt hat sich in den letzten drei Jahren extrem verändert. Selbst in Berlin schließt eine Institution nach der anderen oder sieht man Neueröffner nach einem halben Jahr die Segel streichen. Einkaufsstraßen wie die Kastanienallee im Prenzlauer Berg oder die Kopernikusstraße in Friedrichshain erkennt man kaum noch wieder, da viele Schaufenster in kurzer Zeit mit neuen Logos geschmückt wurden. Der Hauptgrund dafür ist die Online-Konkurrenz. Webshops liefern so ziemlich alles und das meist innerhalb von zwei Tagen und ohne Versandkosten. Die großen Anbieter kaufen zu besseren Konditionen Waren ein, bieten das ganze Jahr über Sale und erreichen ihre Zielgruppe mittels hoher Marketing-Budgets täglich über diverse Kommunikationskanäle. Hinzu kommt, dass Innenstädte jedes Jahr einen Zuwachs an Filialen internationaler Mono-Brand-Stores und Konzerne wie Zara, H&M, Topshop, Primemark usw. verzeichnen. In Filialen dieser Anbieter findet der Kunde kostengünstige Modeartikel und mitunter jede Woche neue Kollektionen oder Produkte. Das Resultat für den kleinen Händler um die Ecke sind sinkende Umsätze und als Folge des Sale-Wahnsinns schrumpfende Gewinne. Im Fashion Segment ist dieser Trend besonders gut nachvollziehbar. Momentan und vielleicht auch in naher Zukunft einen inhabergeführten Laden zu eröffnen will sehr gut überlegt sein. Ich möchte nicht behaupten, dass dieses Vorhaben keinen Erfolg mehr erzielen kann. Aber ich weiß, dass es sehr schwierig ist, mit einem Einzelhandelsgeschäft Gewinn bringend zu wirtschaften.

Da ich stets dafür bin, realistisch optimistisch zu denken, werde ich in einer kleinen Serie von Blog-Artikeln die in meinen Augen wichtigsten Punkte beschreiben, welche für den Erfolg eines Stores im stationären Einzelhandel maßgeblich sind. Ich hoffe, damit euer Bewusstsein zu schärfen. Ich will den Finger in Unsicherheiten bohren. Denn Unsicherheiten sollten sichtbar sein, euch klar sein und im besten Fall beseitigt werden. Als Auftakt wähle ich den Faktor Standort. Ein Punkt, der von uns Workaholics mehrmals unterschätzt wurde und der uns viel Geld gekostet hat.

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