Founding Interviews

Gründen ist wie heiraten

Markus Raab und Patrick Tresp (v.l.n.r.), Gründer Bayer und Preuss GmbH

Foto oben: Markus Raab und Patrick Tresp (v.l.n.r.), Gründer Bayer und Preuss GmbH

Social Media kann nicht alles! Manchmal kennt man Leute schon zwanzig Jahre lang und denkt, dass man weiß, was beim anderen so läuft. Schließlich ist man mindestens über Facebook irgendwie in Kontakt. Doch wie ich in der Vorbereitung auf meinen Interviewpartner und Freund Patrick Tresp feststellen musste, ist diese Annahme mitunter weit gefehlt. Mein Ansinnen war es, Patrick als Unternehmer zu interviewen, da ich wusste, dass er vor Jahren die Bayer und Preuss GmbH mitgegründet hat und erfolgreich E-Learning Software entwickelt und vetreibt. Wie ich seinem XING-Profil entnehmen konnte, war dies längst nicht alles. Umso neugieriger fand ich mich dann in seinem Büro ein, wo er mir ein paar Fragen zu seinem Werdegang und seiner Sicht auf das Unternehmertum beantwortete. Welche seiner Gründungen ich als absolut und ohne Frage vielversprechend befinde und warum gründen wie heiraten ist, erfahrt ihr im nachfolgenden Text.

Interview mit Patrick Tresp / 22.11.2016/ Büro Bayer und Preuss GmbH, Berlin

Caro: Patrick, du bist Mehrfach-Unternehmer. Erzähle uns zum Einstieg kurz, welche Unternehmen du bereits gegründet hast!

Patrick: Zuerst einmal war ich nach meinem Informatik-Studium ca. zehn Jahre lang als Freelancer tätig. 2012 gründete ich mit meinem Programmierer-Partner Markus Raab Bayer und Preuss. 2014 folgte die Gründung eines Start Ups für Parkplatzvermittlung. Dieses Jahr, 2016, kam eine weitere Gründung hinzu. Spockstar ist eine App zur Visualisierung und Auswertung von Live-Daten der DFL, dem Zusammenschluss der deutschen Profi-Fußballvereine. Mit Hilfe dieser App ist es möglich, Live-Daten aus dem Spiel in Realtime auszuwerten und somit Rückschlüsse auf den Verlauf wie Ausgang ziehen zu können. Das gab es in dieser Form noch nie. Spockstar weiß im Grunde mehr als der Trainer auf dem Platz. Wir starten gerade erst, es bleibt abzuwarten, inwiefern wir die Welt des Fussballs verändern können. Auch was Fussballwetten angeht, könnte Spockstar ein sehr hilfreiches Tool sein.

Caro: Welche der Gründungen war für dich am schwierigsten und warum?

Patrick: Am schwierigsten war das erste Mal. Respekt vor allem Neuen, Unwissenheit in vielen Bereichen und v.a. wenig finanzielle Unterstützung von außen. Jeder will etwas von dir und zwar Geld. Alle möglichen Institutionen verdienen mit und du merkst schnell, wie groß der Unterschied zwischen dem Freelancer Dasein und Unternehmertum ist. Die Kunden verstehen diesen Umstand selten. Der Wechsel in eine andere Rechtsform ist für den Anbieter mit höheren Kosten verbunden. Dieser Mehraufwand muss sich auch in der Preisstruktur wiederfinden. Viele Kunden sind aufgrund dessen nach und nach abgesprungen, das muss man erstmal verdauen.

Caro: Was ist deiner Meinung nach die wichtigste Eigenschaft, die ein Gründer mitbringen sollte?

Patrick: Hartnäckigkeit. Ohne das Ziel immer vor Augen zu haben und dran zu bleiben, auch wenn es mal knapp wird, funktioniert es nicht. Mal geht es hoch hinaus und mal bleibt es ruhig, die Last, die Fixkosten und die Verantwortung bleiben gleich.

Caro: Auf welche deiner Stärken in der Selbstständigkeit könntest du am wenigsten verzichten?

Patrick: Ich bezeichne mich als Visionär und möchte den Kunden und Menschen tatsächlich immer helfen. Da ist es von Vorteil, wenn man sich in die Lage der Zielgruppe versetzen kann, um dadurch Ursachen und Lösungen eines Problems zu finden. Empathie nennt sich das dann wohl.

Caro: Was war dein prägendster Moment als Selbstständiger? Ich meine, eine Art Schlüsselerlebnis.

Patrick: Ich wollte eine Auszeit, so um 2009, und bin mit Sack und Pack nach Mittelamerika, um mal runter zu kommen. Ich hatte das Jahr zuvor regelmäßig 70 Stunden die Woche gearbeitet. Während der Reise kam es dazu, dass mich eine Agentur aus Deutschland für mehrere Wochen buchte. Ich bin nach Deutschland zurück gekehrt und erledigte einen Teil der Projekte. Andere nahm ich mir auf die Weiterreise mit, weil ich sie zu spannend fand, um sie sausen zu lassen. Nun herrschen in Mittelamerika weitaus andere Bedingungen als in Deutschland, wenn es um WLAN und Strom geht. 2009 war das auch nochmal anders als heute. So kam es dazu, dass ein Kundenprojekt nicht planmäßig online gehen konnte, weil der Programmierer für zwei Tage keinen Strom hatte. Als Einzelkämpfer hast du in so einem Fall schlechte Karten.

Caro: Ab wann konntest du dir nicht mehr vorstellen, angestellt zu sein? Oder kannst du das noch?

Patrick: Ich habe nie als Angestellter gearbeitet. Am Ende des Studiums schrieb ich meine Diplomarbeit für eine Wirtschaftsprüfergesellschaft in Berlin, welche in ein mehrjähriges internes Schulungsprojekt umgewandelt wurde. Eine Anstellung kam aufgrund meines Backgrounds als Informatiker dort nicht in Frage. Anschließend kamen direkt einige Anfragen, da ich mich bereits auf die Bereiche Medieninformatik und E-Learning spezialisiert hatte. Ich bin da im Grunde reingerutscht. Angestellt zu sein, das vermisse ich manchmal im Traum, der es mir ermöglicht, Abstand zu meiner Arbeit zu gewinnen. Doch oft sind Träume schöner als die Wirklichkeit. Sagen wir es so, ich habe nicht die Absicht, in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten.

Caro: Wie wichtig findest du Business Pläne?

Patrick: Business Pläne sind wichtig, v.a. wenn man seine eigenen Visionen noch nicht komplett versteht oder erklären kann. Business Pläne sind meist erst dann wirklich notwendig, wenn es ernst wird, wenn man Geld benötigt, einen Kredit beantragen möchte oder Investoren gewinnen. Als Werkzeug für den eigenen Fortschritt war für uns ein ausführlicher Business Plan nie nötig und zu umfangreich. Uns ist immer wichtig, den groben Plan abzustecken, die Machbarkeit zu prüfen und ständig den Erfolg mit Zahlen belegen zu können, ihn messbar zu machen. Business Pläne zu schreiben ist tatsächlich eine Qual, nicht der Inhalte wegen, sondern des Umfangs.

Caro: Was denkst du, ab wann ist es ratsam, Mitarbeiter einzustellen? Und was ist für dich das oberste Kriterium bei der Einstellung?

Patrick: Sobald jemand etwas ebenso gut oder bestenfalls besser als ich kann, macht es eventuell sofort Sinn, ja zu sagen. Aber man bedenke, dass man mit den Mitarbeitern mehr Zeit verbringt, als mit der Familie. Die Chemie muss stimmen. Über alles andere kann man sich meist einigen. Oft kommen Mitarbeiter zu uns als Studenten oder Auszubildende, man hat Gelegenheit, sich zu beschnuppern. Wenn alles passt, geht es in die Werksstudentenphase oder wir übernehmen in eine reguläre Anstellung. Ohne eine Schnupperphase geht es bei uns nicht, da wir in einigen Fällen sehr individuell arbeiten, diese Arbeitsweisen und Techniken sollte man lieben lernen.

Caro: Reicht es dir in Sachen Gründungen oder gibt es weitere Projekte? Wenn ja, kannst du schon etwas verraten?

Patrick: Ich weiß nicht, ob ich jede Idee, die ich habe, in eine Gründung verwandeln muss. Gründen ist wie heiraten, die Beziehung muss gepflegt und es muss offen kommuniziert werden. Läuft es gut, sollte man das sagen. Läuft es nicht so gut, sollte man das auch ungeschönt ansprechen können.
Aber es gibt ein Projekt in der Pipeline. Neben der gerade geschlüpften Unternehmung Spockstar, welche die Fussballwelt revolutionieren soll, wartet unser Meeressäuger MOKICK auf Ausgliederung. Wir haben eine Software entwickelt, mit welcher die Produktion von digitalen Lerninhalten extrem schnell, aber auch zukunftsorientiert ermöglicht wird.

Caro: Welches Unternehmen hättest du gern gegründet?

Patrick: Gute Frage… Ich begeistere mich für Vieles. Aber diese Vorbildfirma, die genau das gegründet hat, was ich gern gemacht hätte, habe ich nicht im Sinn. Ich bin außerdem auch immer überzeugt davon, dass das was ich tue, soviel Spaß macht, dass sich diese Frage gar nicht stellt. Es gab aber natürlich schon Ideen, die dann wer anderes umgesetzt hat und das auch erfolgreich. Das gibt es immer wieder.

Caro: Hast du einen Lieblingsfilm?

Patrick: Ich bin ein Marvel-Kind, stehe fast ausnahmslos auf diese Filme. Wenn ich jedoch einen nennen soll, den ich immer wieder gerne sehen kann, dann ist das „Donnie Darko“, verrückte Musik, abgedrehte Geschichte und dennoch total tiefgründig. Der Soundtrack ist ebenfalls hervorragend und zu empfehlen.

Ich bedanke mich bei Patrick für seine knapp bemessene Zeit und kann euch nur raten,

watch out for Spockstar, vor allem wenn ihr Fussball-Fans seid!

Diese App wird das Fussball-Erlebnis und Wettbusiness in ganz neue Dimensionen führen! Ich bin ohne zu übertreiben total begeistert von der Geschäftsidee.

Als kleines Extra-Bonbon startet auf meiner Facebook Fanseite bald die Verlosung eines Spockstar Premium-Jahresabos, checkt auch die und lasst euch die Chance auf den Premiumeinstieg nicht entgehen!

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2 Comments

  • Reply
    Harald Tresp
    9. Dezember 2016 at 17:21

    Sehr geehrte Frau Kamenz,
    als Vater von Patrick bin ich auf Ihren sehr aufschlussreichen und zugleich interessanten Beitrag gestoßen.
    Es würde mich freuen, um auch Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden, wenn ich diesen in einer digitalen oder papiermäßigen Form erhalten könnte.

    Vielen Dank!

    Gerne lese ich wieder von Ihnen!

    Harald Tresp

  • Reply
    ck_admin
    13. Dezember 2016 at 11:55

    Lieber Herr Tresp,

    vielen Dank für Ihren netten Kommentar. Sehr gerne lasse ich Ihnen das Gewünschte zukommen.

    Alles Gute und beste Grüße,
    Carolin Kamenz

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